Warum kann man  keine Steinpilze oder Pfifferlinge züchten? 
Es geht doch auch bei Champignons oder Austernseitlingen. Warum ausgerechnet nicht bei solchen Pilzen, wo die Verkaufsmöglichkeiten enorm wären?

Antwort vom Tintling:
Champignons und Austernseitlinge (auch Shiitake und "Braunkappen" etc.) kann man deshalb vergleichsweise leicht züchten, weil das Folgezersetzer sind. Pilze also, die organisches Material wie z.B. Holz, Mist oder Stroh abbauen und sich von den Abbauprodukten ernähren.
Steinpilze (und z.B. Trüffeln und Pfifferlinge) sind aber Mykorrhizapilze. Das heißt, sie leben mit einem Baum (andere Pilze auch mit Orchideen und anderen Pflanzen) in einer Wurzelsymbiose, ohne die zumindest der Pilz nicht leben kann. Es ist bis heute m.W. nach erst in einem einzigen (schwedischen) Labor gelungen, einen einzelen Pfifferling in der Petrischale zum Fruchtkörperstadium zu bringen. Das war vor ca. drei oder vier Jahren und selbst das kann durchaus ein Fake gewesen sein. Der Foscher trug ganz stolz eine Petrischale umher, in der ein gelbes, winziges, unreifes Etwas steckte.
Das Myzel im Labor auf Nähragar anzüchten, ja, aber wenn es keinen passenden Partnerbaum kriegt, dann stirbt es ab.
Das einzige, was man tun kann, ist die Fruktifikation zu fördern: In Frankreich und Italien werden Sämlinge von Hasel und Eiche mit Trüffelkulturen beimpft (mykorrhiziert) und die werden dort auf geeigneten Standorten (Kalkboden, spezielle Sonnenexposion etc.) gezielt gepäppelt, was wegen des Preises für Trüffeln (ich glaube in der vergangenen Saison war er bei bis zu 5000.- Euro pro Kilo) lohnt. Bei Steinpilzen sieht das also auch von der Kostenseite her schlecht aus, weil der Aufwand niemals Gewinn versprechend sein kann. (Es sei, irgend ein Pfiffikus verbreitet eine Meldung in der Bildzeitung, wonach der Steinpilz das Aphrodisiakum schlechthin sei ;-))

Morcheln sind ein Sonderfall insofern, als sie keine Mykorrhizapilze zu sein scheinen und sich dennoch nicht kultivieren lassen. Ihr spontanes, (meist einmaliges) Vorkommen auf im Vorjahr ausgebrachtem Rindenmulch (Lorcheln und Verpeln machen das manchmal auch so) deutet darauf hin, dass das Myzel, also der eigentliche Pilz, ganz bestimmte Stoffe aus frischtotem pflanzlichem Substrat benötigt. Diese Stoffe scheinen z.B. in Eschen vorhanden zu sein und in diversen angegärten Früchten und Knollen. Einzelne erfolgreiche, aber dann doch nicht wiederholbare Versuche hat es da mit Äpfeln, Birnen und Topinambur gegeben. Es sind derzeit viele Leute damit beschäftigt, das herauszufinden zu versuchen. Indes widersetzen sich die schmackhaften Geschöpfe beharrlich allen Zucht- und Züchtigungsbestrebungen.
Zeitungsmeldungen, in denen etwas anderes behauptet wird, sind falsch, bzw. basieren auf einem einzelen Zufallserfolg wie oben dargestellt.

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